Absage der Werkstatträte-Konferenz und Jubiläum am 22. Oktober in Münster

Liebe Werkstatträte in NRW, liebe Vertrauens-Personen,

leider ist die Corona-Krise noch nicht vorbei.

Aus diesem Grund haben wir uns schweren Herzens entschieden,
dass wir unsere Werkstatträte-Konferenz und Jubiläums-Feier am 22. Oktober 2020 in Münster absagen.

Aber:
Wir planen stattdessen mehrere Video-Konferenzen in der Woche vom 19. bis 23. Oktober 2020 zu verschiedenen Themen.
Wir sind aber noch mitten in der Planung und schicken euch so schnell wie möglich die neue Einladung.

Passt gut auf Euch auf und bleibt gesund!

Eure LAG Werkstatträte NRW

Neues zur Rahmen-Vereinbarung zur Qualitäts-Sicherung und Gewalt-Schutz

Am 24. Juni 2020 haben wir bereits hier auf der Internet-Seite der LAG Werkstatträte in NRW einen Artikel über die Rahmen-Vereinbarung zur Qualitäts-Sicherung und Gewalt-Schutz geschrieben.

Jetzt gibt es eine Presse-Erklärung von Minister Karl-Josef Laumann und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.

Hier der Link für die Presse-Erklärung: https://www.mags.nrw/pressemitteilung/minister-laumann-qualitaetssicherung-und-gewaltpraevention-werkstaetten-fuer

Rahmen-Vereinbarung über Qualitäts-Sicherung und Gewalt-Schutz

Die LAG der Werkstatträte in NRW hat zusammen mit vielen anderen Partnern eine
Rahmen-Vereinbarung erarbeitet und unterschrieben.
Es geht um eine Vereinbarung für mehr Schutz vor Gewalt in Werkstätten und dass in Werkstätten gute Arbeit gemacht wird.
Das nennt man auch Qualitäts-Sicherung.
Jeder Werkstattrat kann allein oder mit der Werkstatt dieser Vereinbarung beitreten.
Diese Vereinbarung wurde an alle Werkstatträte in NRW per E-Mail verschickt.
Ihr könnt euch die Unterlagen hier aber noch einmal herunterladen.

Text ist von: Tanja Lohmeier – Delegierte der LAG Werkstatträte NRW

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Schichtwechsel – Der Aktionstag für neue Perspektiven

2019 habe ich am Aktionstag „Schichtwechsel“ mitgemacht.

Meine Tauschpartnerin war die Beauftragte der Landesregierung NRW für die Belange der Menschen mit Behinderung und Patientinnen und Patienten, Claudia Middendorf.
Claudia Middendorf begleitete mich einen gesamten Arbeitstag in meiner Werkstatt in Brakel (Kreis Höxter).

Sie hat in meiner Abteilung an meinem Arbeitsplatz kleine Verpackungsarbeiten erledigt.
Ich habe ihr, mit unserer Vertrauensperson des Werkstattrates, meine Werkstatt gezeigt.
Am Nachmittag nahm sie an einer Gesamt – Werkstattrat – Sitzung in unserer Hauptwerkstatt teil.

Ich bin einen Tag später nach Düsseldorf gefahren, um Claudia Middendorf, als Behindertenbeauftragte zu begleiten.

Zuerst stand die wöchentliche Teamsitzung des Büros der Behindertenbeauftragten an. Zum Büroteam gehören 6 Personen, die Frau Middendorf im Hintergrund viel zuarbeiten und sie in ihrer Arbeit unterstützen.
Es wurden Ergebnisse von verschiedenen Arbeitsaufträgen besprochen und auch wieder neue Aufgaben verteilt. Einen großen Teil der Teamsitzung nahm die Absprache von Terminen, die Claudia Middendorf im Laufe der nächsten Tage und Wochen wahrnehmen wollte und sollte, ein.

Kaum war die Teamsitzung beendet, machten wir uns auf in den Landtag. Dort nahmen wir auf den Besucherplätzen im Fraktionssaal der CDU NRW Platz, um bei der Fraktionssitzung Werbung zu machen für den Aktionstag „Schichtwechsel“.
Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit, das auch wirklich umzusetzen. Die Zeit raste und der nächste Termin rückte näher. Claudia Middendorf sollte einen Pressetermin in Dortmund wahrnehmen.
Im Auto, auf dem Weg nach Dortmund, hatte die Behindertenbeauftragte Zeit Telefonate zu führen, natürlich mit Freisprechanlage.

Sie fragte z.B. bei verschiedenen Personen nach, in wie weit ihre Probleme, die sie Frau Middendorf mitteilten, geregelt wurden.
In Dortmund angekommen wurden wir von einem Herren begrüßt, der mit einem Hotel ein Problem hatte. Das Hotel weigerte sich, bis zur Einschaltung der Behindertenbeauftragten, am Eingang des Hotels einen Handlauf für Menschen mit Bewegungseinschränkungen zu installieren, damit diese die Treppen zum Hoteleingang besser erreichen können.
Der Handlauf war nun angebracht und man hatte zu einem Pressetermin geladen.
Der Pressetermin am und im Hotel fand dann aber leider ohne Presse statt.
Leider gibt es diese Erfahrung immer wieder, das zu solchen Terminen, die Menschen mit Behinderung betreffen, keine Presse erscheint, erfuhr ich von Claudia Middendorf.
Mein Schichtwechsel 2019 war mit dem Pressetermin nun auch beendet.

Mein Fazit:
Die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Patientinnen und Patienten in NRW zu sein ist ein interessanter, aber auch stressiger Arbeitsplatz.
Ich möchte ihn nicht machen.

Schichtwechsel, der Aktionstag für neue Perspektiven, ist eine super Idee.

2020 möchte ich wieder beim Schichtwechsel dabei sein.

Vielleicht tausche ich meinen Arbeitsplatz dann mit Herrn Wedershoven, dem Leiter des LWL Inklusionsamtes.

Ute Wegner – Vorsitzende der LAG der Werkstatträte NRW.

Hier ist der ganze Text mit Fotos zum herunterladen:

Wie Corona unseren Alltag in der Werkstatt verändert hat?

Ein Tagesablauf in einer Werkstatt für blinde und sehbehinderte mehrfachbehinderte Menschen aus der Sicht eines Beschäftigten.

Diese Zeit hat uns verändert.
Nun heißt es Abstand halten, Hände regelmäßig waschen und desinfizieren und Maske tragen.
Aber wie kommen blinde und sehbehinderte Menschen mit dieser besonderen Herausforderung zurecht?

Bevor wir den Arbeits-Tag beginnen, steht eine Fachkraft schon am Eingang der Werkstatt, um uns dabei zu unterstützen die Hände zu desinfizieren.
Bevor wir dann die Arbeit beginnen, müssen die Hände nochmal gewaschen werden.
Sitzen wir Beschäftigte dann am Arbeitsplatz, werden die Masken abgesetzt und wir bekommen von den Betreuern neue.
Die Masken vom Vortag werden dann von einem Betreuer ausgekocht.
Dies können nicht alle blinden Beschäftigten zu Hause.
Wir tragen die Masken auch zum Arbeits-Ende, da sie auch im Taxi getragen werden sollten.

Während der Arbeit ist es üblich, dass man zum Beispiel einen Wasch-Raum aufsucht.
Da wir blind und sehbehindert sind, sagen wir immer laut in der Gruppe Bescheid, damit andere Beschäftigte wissen, dass wir aufstehen und zum Wasch-Raum gehen.
Es kann immer nur ein Beschäftigter den Wasch-Raum nutzen.

Wenn die Frühstücks-Pause oder Mittags-Pause beginnt, gehen wir einzeln los und waschen uns die Hände.

Dann gehen wir am Handlauf-System Richtung Kantine.
Ein Betreuer unterstützt uns auf dem Weg den Abstand einzuhalten.
In der Kantine hat jeder einen festen Sitzplatz in 1,50 m Abstand zum nächsten Platz.
Es stehen nur so viele Stühle an den Tischen, dass dieser Abstand nicht unterschritten werden kann.
Wenn wir an unserem Essplatz sitzen, werden die Mahlzeiten und die Getränke durch die Betreuer an dem Platz serviert und das ist neu.
Es ist für uns nicht möglich an der Essens-Ausgabe die Abstands-Regelung korrekt umzusetzen.
Wenn die Mahlzeit beendet ist, werden wir einzeln aufgerufen, um die Hände zu waschen, so können wir sicher sein, dass wir die Abstände einhalten und nicht aneinander-stoßen.
Während wir alle in der Kantine sind, werden durch die Betreuer alle Tür-Griffe und Hand-Läufe in unserem Arbeits-Bereich und dem Flur desinfiziert.

Wir tragen auf allen Wegen innerhalb der Werkstatt unsere Masken.
Wir brauchen sie aber nicht am Arbeits-Platz zu tragen, da dort Trenn-Wände aufgestellt wurden.
Wir können oft im Innenhof spazieren gehen, dazu ermuntern uns die Betreuer auch immer wieder.
Nach dem Spaziergang haben wir am Eingang in den Arbeits-Bereich die Möglichkeit an einem Spender die Hände zu desinfizieren.

Manchmal ist es im Werkstatt-Alltag so, dass wir Arbeits-Kollegen oder Betreuer in anderen Arbeits-Gruppen besuchen.
Jetzt läuft es so ab: Wenn ich einen Betreuer oder Arbeits-Kollegen treffen möchte, muss ich vorher über das Gruppen-Telefon fragen, ob es möglich ist.
Wir wollen damit Ansammlungen von Personen auf den Fluren vermeiden.

Wir haben auch einen Pförtner.
Dieser muss natürlich auch geschützt werden.
Wenn ich zum Beispiel einen Schlüssel für einen Schrank brauche, dann rufe ich vorher an.
Der Pförtner legt ihn für mich in eine Box, die vor dem Fenster steht.
Ich nehme ihn dort raus. So kann das Pforten-Fenster geschlossen bleiben.
Auch die Rückgabe erfolgt kontaktlos über den gleichen Weg.

Wir betreiben mit Unterstützung durch eine Fachkraft auch einen Rollenden Kiosk.
Normalerweise ist es so, dass die Beschäftigten selbständig kaufen und bezahlen.
Aufgrund von Corona ist es so: der Beschäftigte sagt, was er kaufen möchte.
Die Ware wird dann in eine kleine Box gelegt und durch die Fachkraft kontaktlos neben den Arbeits-Platz des Beschäftigten gelegt.
Die Kosten für die Ware werden aufgeschrieben und einmal im Monat bei den Betreuern bezahlt.

Das Ende eines Arbeits-Tages läuft dann so ab:
die Beschäftigten desinfizieren sich die Hände, setzen die Masken auf und stehen auf.
Alle gehen nacheinander mit Abstand zum Werkstatt-Ausgang und auch zu den Fahrzeugen.
Mehrere Betreuer passen auf, dass die Abstände eingehalten werden.
Beschäftigte mit einer Gehbehinderung benutzen jetzt alle entweder einen Rollator oder einen Rollstuhl, damit es auf den Fluren nicht zu Ansammlungen kommt.
Hier tragen Betreuer immer und Beschäftigte, wenn es möglich ist, eine Maske.
Das Führen der sehbeeinträchtigten Beschäftigten hat sich jetzt auch so verändert, dass der Führende seinen Arm weit nach hinten hält und der Beschäftigte dann mit gestrecktem Arm den Oberarm ergreift.

Ich heiße Sascha Mysliwec und bin Delegierter der LAG Werkstatträte NRW
und Werkstattratsvorsitzender der Werkstatt des Lippischen Blinden- und Sehbehindertenverein e.V..