7. Online-Werkstatträte-Konferenz NRW am 2. Februar 2021

Am 2. Februar 2021 fand die 7. Online-Werkstatträte-Konferenz der LAG WR NRW statt.
Das Interesse an der Video-Konferenz war sehr groß.
Es wählten sich über 100 Teilnehmer mit ihren Computern ein.
Weitere Teilnehmer haben darauf gewartet, an der Video-Konferenz mit teilzunehmen.
Leider war die Anzahl auf 100 Teilnehmer begrenzt.
Die LAG WR NRW wird versuchen, dass die Teilnehmerzahl bis zur nächsten Video-Konferenz erhöht wird.

Die Themen waren:
• Impfungen für Menschen mit Behinderung gegen das Corona-Virus,
• Entgelt in den Werkstätten,
• Teilhabe am Arbeitsleben.

Joachim Klatte begrüßte als Delegierter der LAG WR NRW alle Teilnehmer der Video-Konferenz.
Als Gäste waren weiter mit dabei:
• Frau Middendorf als Landes-Behinderten-Beauftragte von NRW,
• Frau Wiesemann vom Landschafts-Verband Westfalen-Lippe (LWL),
• Herr Fonck vom Landschafts-Verband Rheinland (LVR),
• Frau Dicke, Frau Daniels-Haardt und Herr Lück vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in NRW.

Ute Wegner als Vorsitzende der LAG WR NRW gratulierte Jürgen Linnemann, Delegierter der LAG WR NRW, mit einem digitalen Kurzvideo zum Geburtstag.
Die anderen Teilnehmer gratulierten ebenfalls.


Anschließend übernahm Frau Middendorf das Wort.
In ihrer Rede sprach sie vom digitalen Zeitalter.
Also die Möglichkeit die Werkstatträte-Konferenz oder die Werkstattrat-Sitzung als Video-Konferenz zu machen.
Sie lobte die Werkstatträte dafür, dass so viele an der Video-Konferenz teilnehmen.
Sie befürwortete auch, dass es kein weiteres Betretungs-Verbot für die Werkstätten gibt.
Da es für die Beschäftigten in der Werkstatt wichtig ist, arbeiten zu können.


Lulzim Lushtaku ist als Delegierter neu in der LAG WR NRW.
Er ist vor kurzem erst nachgerückt.
Lulzim Lushtaku führte als Moderator weiter durch die Video-Konferenz und übergab Ute Wegner das Wort.


Ute Wegner stellte den Werkstatträten einen Brief von den Landschafts-Verbänden LWL und LVR vor.
In dem Brief ging es um verschiedene Möglichkeiten, wie man Menschen trotz der Corona-Pandemie Arbeit ermöglichen kann.
Das nennt man auch Teilhabe an Arbeit.

Es gibt diese 3 Möglichkeiten der Teilhabe an Arbeit:

  1. von zu Hause
    Man kann also von zu Hause aus arbeiten.
  2. in der Werkstatt
    Man arbeitet ganz normal in der Werkstatt
  3. in der Wohnstätte / Wohnheim
    Man arbeitet in der Wohnstätte oder im Wohnheim.

Das fanden alle gut.
Durch diese Möglichkeiten sind weniger Beschäftigte in den Werkstätten.
Es sitzen auch weniger Menschen in den Fahrzeugen vom Fahrdienst, die die Beschäftigten zur Werkstatt fahren.
Trotzdem müssen alle Beschäftigten FFP2 Masken tragen.
Es fänden alle gut, wenn es die Masken kostenlos gäbe.

Anschließend hielt Jürgen Kröger, Delegierter der LAG WR NRW, einen Vortrag zum Thema Entgelt.
Er sagte, dass die Löhne in den Werkstätten nicht gekürzt werden dürfen.
Es darf auch kein Geld aus den Rücklagen der Werkstatt genommen werden.
In dem Vortrag wurde auch darüber berichtet, dass der Bund auf einen Teil der Ausgleichs-Abgabe verzichtet.


Dann folgte das Thema Impfung gegen das Corona-Virus.
Es wurde mit den Gästen vom MAGS NRW darüber diskutiert, wie es mit den Impfungen in den Werkstätten aussieht.
Dazu kamen Ideen, wie zum Beispiel, dass Mobile Teams in die Werkstätten zum Impfen kommen.
Gemeinsam wurde auch überlegt, dass alle die Informationen zum Thema Impfen verstehen müssen.
Es soll sie zum Beispiel in Leichter Sprache oder auch in Gebärden-Sprache geben.
Nur wer gut informiert ist, braucht dann keine Angst vor dem Impfen zu haben.
Joachim Klatte stellte das Forderungs-Papier der LAG WR NRW zum Thema Impfen vor.
Ute Wegner übergab symbolisch das Forderungs-Papier der LAG WR NRW an Frau Middendorf und den Gästen aus dem MAGS.

Das Forderungs-Papier hat folgenden Inhalt:

Forderung: Impfstrategie für WfbM in NRW

Wir, die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte NRW fordern:

  1. Alle Beschäftigten der WfbM in NRW werden in den WfbM von Mobilen Impfteams geimpft.
  2. Alle Beschäftigten der WfbM in NRW werden während der zweiten Phase der Impfstrategie NRW geimpft, ohne Betrachtung ihrer Behinderung.
  3. Das Impfen in den WfbM ist für alle Beschäftigten freiwillig.

Hier ist die Forderung zum herunterladen.

Nachdem das Papier übergeben wurde, wurden wir von Frau Middendorf gelobt.
Sie sagte, dass das Forderungspapier richtig gut ist.
Uns wurde auch gesagt, dass es auch bald Unterlagen in Leichter Sprache geben wird.

Bei der Vorbereitung für die Video-Konferenz ist den Delegierten folgendes aufgefallen:
Bei einer Video-Konferenz können sich die Werkstatträte gar nicht untereinander austauschen.
Darum wurden die Werkstatträte in kleinere Video-Konferenzen verschoben.
Diese werden auch Gruppenräume genannt.
Die Gruppenräume wurden jeweils von 2 Delegierten der LAG moderiert.
Zum größten Teil kam in der Diskussion die Sorge mit der Frage: „Wird mein Lohn in der Werkstatt weiter gezahlt?“ auf.

Es war wieder eine sehr gute Werkstatträte-Konferenz.
Die LAG WR NRW weitere Online-Werkstatträte-Konferenzen für die Werkstatträte in NRW planen und durchführen.

Geschrieben von: Sascha Mysliwec – Delegierter der LAG WR NRW

Redet MIT uns – und nicht immer nur ÜBER die Werkstatt

Berlin (kobinet) Meine Name ist Jürgen Thewes und ich bin seit Jahren im Vorstand von Werkstatträte Deutschland e.V. aktiv.
Über Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) hört und liest man die unterschiedlichsten Dinge.
Häufig sind dies Dinge, die uns Werkstattbeschäftigte verunsichern.
Es geht um die Abschaffung der Werkstatt, darum, dass sich Werkstätten komplett verändern müssen und, dass sie der Inklusion im Wege stehen…

Bei vielen Beschäftigten in der Werkstatt löst die nun schon Jahre andauernde Debatte rund um die Werkstätten Ängste und Unsicherheiten aus.
Wir bedauern es sehr, dass dieses Thema immer wieder genutzt wird,
um eigene Interessen in den Vordergrund zu drängen – auf Kosten unserer Kolleginnen und Kollegen.

Wir wünschen uns, dass die Debatte endlich einmal im echten Austausch mit uns geführt wird – es geht hier um unsere Leben und um unsere Zukunft.
In den vielen Jahren bei Werkstatträte Deutschland e.V. habe ich es nicht erlebt,
dass eine oder einer der „Werkstattkriter*innen“ mit wirklich ernsthaftem Interesse an unserer Meinung auf uns zu kam.
Immer nur müssen wir darüber lesen, dass Menschen unseren Arbeitsplatz in Frage stellen – woher kommt eigentlichen dieses Expertenwissen? Es nervt uns!

Viele der Kolleginnen und Kollegen kennen zudem den allgemeinen Arbeitsmarkt und haben dort häufig Mobbing, Ausgrenzung oder große Überlastung erlebt.
In der Werkstatt haben viele von uns wieder Halt und Struktur gefunden.
Nur allzu verständlich, dass wir dort gerne bleiben möchten.
Es gibt viele Beschäftigte, die sagen, die Werkstatt ist genau der richtige Ort für mich.

Und natürlich gibt es auch Beschäftigte, die sich in der Werkstatt nicht wohl fühlen
und lieber auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt oder anderswo arbeiten möchten.
Leider klappt der Übergang nur bei wenigen reibungslos.
Unsere wechselbereiten Kolleginnen und Kollegen sollten alle mögliche Unterstützung erhalten, um gut in der allgemeinen Arbeitswelt anzukommen.
Diesen Beistand sehen wir nicht.
Viele Hürden erschweren den Weg.

Wenn sich der Übergang schon in Einzelfällen so schwierig gestaltet, frage ich mich:
Wo bitte sollen denn all die Werkstattbeschäftigten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig werden?
Vielleicht im Niedriglohnsektor, wo Ausbeutung auf der Tagesordnung steht?
Tritt man einen Schritt zurück, dann stellt man schnell fest, dass der Arbeitsmarkt überhaupt nicht aufnahmebereit für Menschen mit Behinderung ist.
Wenn man in dieser Debatte allerdings die Werkstätten ins Zentrum des Problems stellt, dann arbeitet man sich definitiv am falschen Gegner ab.

Und natürlich die Werkstätten müssen sich entwickeln und verändern –
es gibt vieles, was besser sein könnte,
zum Beispiel die Bezahlung von Werkstattbeschäftigten und auch im Bereich Transparenz ist viel zu tun.
Aber – falls es noch nicht alle gemerkt haben:
Wir befinden uns in einem Änderungsprozess, den WIR Werkstatträte und -beschäftigte aktiv mitgestalten.
Hier möchte ich die Stichworte Werkstattratsarbeit, Reform des Entgeltsystems, Entwicklung der Bildungsmöglichkeiten nennen.
Auch Werkstatträte Deutschland hat hierzu konkrete Vorschläge entwickelt bzw. arbeitet an diesen Themen.

Wir würden uns künftig über konstruktive Vorschläge freuen,
ohne uns und den Werkstätten die Kompetenzen für Entwicklungsprozesse abzusprechen.

Kontakt: Jürgen Thewes hier klicken

Logo Werkstatträte Deutschland e.V.
Foto: Werkstatträte Deutschland e.V.

Ursprünglich veröffentlicht auf Kobinet am 13.01.2021 um 07:00 von Jürgen Thewes

Dieser Artikel wurde mit dem Einverständnis von Jürgen Thewes auf dieser Seite geteilt.

Neues zur Rahmen-Vereinbarung zur Qualitäts-Sicherung und Gewalt-Schutz

Am 24. Juni 2020 haben wir bereits hier auf der Internet-Seite der LAG Werkstatträte in NRW einen Artikel über die Rahmen-Vereinbarung zur Qualitäts-Sicherung und Gewalt-Schutz geschrieben.

Jetzt gibt es eine Presse-Erklärung von Minister Karl-Josef Laumann und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.

Hier der Link für die Presse-Erklärung: https://www.mags.nrw/pressemitteilung/minister-laumann-qualitaetssicherung-und-gewaltpraevention-werkstaetten-fuer

Rahmen-Vereinbarung über Qualitäts-Sicherung und Gewalt-Schutz

Die LAG der Werkstatträte in NRW hat zusammen mit vielen anderen Partnern eine
Rahmen-Vereinbarung erarbeitet und unterschrieben.
Es geht um eine Vereinbarung für mehr Schutz vor Gewalt in Werkstätten und dass in Werkstätten gute Arbeit gemacht wird.
Das nennt man auch Qualitäts-Sicherung.
Jeder Werkstattrat kann allein oder mit der Werkstatt dieser Vereinbarung beitreten.
Diese Vereinbarung wurde an alle Werkstatträte in NRW per E-Mail verschickt.
Ihr könnt euch die Unterlagen hier aber noch einmal herunterladen.

Text ist von: Tanja Lohmeier – Delegierte der LAG Werkstatträte NRW

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Schichtwechsel – Der Aktionstag für neue Perspektiven

2019 habe ich am Aktionstag „Schichtwechsel“ mitgemacht.

Meine Tauschpartnerin war die Beauftragte der Landesregierung NRW für die Belange der Menschen mit Behinderung und Patientinnen und Patienten, Claudia Middendorf.
Claudia Middendorf begleitete mich einen gesamten Arbeitstag in meiner Werkstatt in Brakel (Kreis Höxter).

Sie hat in meiner Abteilung an meinem Arbeitsplatz kleine Verpackungsarbeiten erledigt.
Ich habe ihr, mit unserer Vertrauensperson des Werkstattrates, meine Werkstatt gezeigt.
Am Nachmittag nahm sie an einer Gesamt – Werkstattrat – Sitzung in unserer Hauptwerkstatt teil.

Ich bin einen Tag später nach Düsseldorf gefahren, um Claudia Middendorf, als Behindertenbeauftragte zu begleiten.

Zuerst stand die wöchentliche Teamsitzung des Büros der Behindertenbeauftragten an. Zum Büroteam gehören 6 Personen, die Frau Middendorf im Hintergrund viel zuarbeiten und sie in ihrer Arbeit unterstützen.
Es wurden Ergebnisse von verschiedenen Arbeitsaufträgen besprochen und auch wieder neue Aufgaben verteilt. Einen großen Teil der Teamsitzung nahm die Absprache von Terminen, die Claudia Middendorf im Laufe der nächsten Tage und Wochen wahrnehmen wollte und sollte, ein.

Kaum war die Teamsitzung beendet, machten wir uns auf in den Landtag. Dort nahmen wir auf den Besucherplätzen im Fraktionssaal der CDU NRW Platz, um bei der Fraktionssitzung Werbung zu machen für den Aktionstag „Schichtwechsel“.
Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit, das auch wirklich umzusetzen. Die Zeit raste und der nächste Termin rückte näher. Claudia Middendorf sollte einen Pressetermin in Dortmund wahrnehmen.
Im Auto, auf dem Weg nach Dortmund, hatte die Behindertenbeauftragte Zeit Telefonate zu führen, natürlich mit Freisprechanlage.

Sie fragte z.B. bei verschiedenen Personen nach, in wie weit ihre Probleme, die sie Frau Middendorf mitteilten, geregelt wurden.
In Dortmund angekommen wurden wir von einem Herren begrüßt, der mit einem Hotel ein Problem hatte. Das Hotel weigerte sich, bis zur Einschaltung der Behindertenbeauftragten, am Eingang des Hotels einen Handlauf für Menschen mit Bewegungseinschränkungen zu installieren, damit diese die Treppen zum Hoteleingang besser erreichen können.
Der Handlauf war nun angebracht und man hatte zu einem Pressetermin geladen.
Der Pressetermin am und im Hotel fand dann aber leider ohne Presse statt.
Leider gibt es diese Erfahrung immer wieder, das zu solchen Terminen, die Menschen mit Behinderung betreffen, keine Presse erscheint, erfuhr ich von Claudia Middendorf.
Mein Schichtwechsel 2019 war mit dem Pressetermin nun auch beendet.

Mein Fazit:
Die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Patientinnen und Patienten in NRW zu sein ist ein interessanter, aber auch stressiger Arbeitsplatz.
Ich möchte ihn nicht machen.

Schichtwechsel, der Aktionstag für neue Perspektiven, ist eine super Idee.

2020 möchte ich wieder beim Schichtwechsel dabei sein.

Vielleicht tausche ich meinen Arbeitsplatz dann mit Herrn Wedershoven, dem Leiter des LWL Inklusionsamtes.

Ute Wegner – Vorsitzende der LAG der Werkstatträte NRW.

Hier ist der ganze Text mit Fotos zum herunterladen: